Wie Du bessere Entscheidungen triffst

Wir stehen alle mal im Leben in Situationen, die von uns eine Entscheidung abringen. Das kann Stress und Angst machen. Denn:
Eine Entscheidung zu treffen bedeutet auch immer, dass wir die daraus resultierenden Konsequenzen in den Kauf nehmen.

Und doch treffen wir um die 20.000 Entscheidungen pro Tag und die erste fängt wohl mit dem Aufstehen an. Ob wir ein oder zwei Tassen Kaffee trinken, uns die Hände waschen, den grünen oder gelben Schal nehmen, die Katze jetzt schon füttern oder welche Schuhe wir anziehen. Die meisten Entscheidungen sind sehr trivial und beeinflussen unsere Seelenheil nicht in größerem Ausmaß. Aber wir treffen sie. 

Und dann gibt es natürlich genau die Entscheidungen, die uns schlaflose Nächte bereiten. Bei denen wir keine Ahnung haben, was wir tun sollen. 

Ein guter Rat meint: "Hör auf Deinen Bauch. Der liegt immer richtig." 

Doch: Ist es denn wirklich sinnvoll auf seinen Bauch zu hören?
Gehören Emotionen in einen guten Entscheidungsprozess mit hinein? 


Zunächst einmal zwei Fakten:

  • Du kannst noch so viele Pro- und Contra-Listen machen, die letzte Entscheidung wird von 98% der Menschen immer emotional getroffen. Das verläuft meist unbewusst. Es ist also gar nicht möglich, ohne Emotionen zu entscheiden. 
  • Bauchgefühl und Intuition sind nicht gut von Angst zu unterscheiden. Bei einem Entscheidungsprozess fühlen sie sich gleich an. Der Rat: "Hör auf Deinen Bauch." ist also nicht immer ein cleverer Rat, denn es kann sich auch um Angst handeln und die ist bekanntlich der schlechteste Ratgeber. 


Und noch weitere Herausforderungen in Bezug auf Entscheidungen sollten Dir klar sein:

  1. Verlustangst macht irrational

Beim Entscheidungsprozess steht innerlich meist das Gefühl des Verlustes im Vordergrund, denn: Eine Entscheidung für etwas, bedeutet gleichzeitig auch eine gegen etwas zu treffen. Aus der Verlustangst heraus treffen wir übrigens meist die falschen Entscheidungen, weil wir völlig irrational werden. Dazu gibt es spannende Experimente, eins davon erzähle ich in meinem Video (folgt in Kürze). 

     2. Belohnungssystem verwässert 

Die nächste Herausforderung scheint das Belohnungssystem zu stellen. Denn, wenn es um langfristige Entscheidungen, die Berufswahl, geht, tun wir uns deutlich schwerer. Oftmals entscheiden wir uns für kurzfristige Lösungen und Ziele, da die Belohnung näher liegt. Entscheidungen werden also durch unser Belohnungssystem beeinflusst und sind somit auch nicht immer richtig getroffen.

    3. Sich entscheiden, sich nicht zu entscheiden

Natürlich kannst Du auch sagen, dass Du Dich nicht entscheiden wirst. Auch das ist eine Entscheidung und bei genauerer Betrachtung wirst Du sehen, dass auch das Konsequenzen hat. Man kann sich offensichtlich nicht nicht entscheiden. Werd Dir dessen bitte voll bewusst. Das unterscheidet sich von Entschiedenheit: Das kompromisslose Ja zu einer Entscheidung, für die wir bereit sind, alles in die Wege zu leiten, weil wir absolut überzeugt sind. 


Wie entscheiden wir uns richtig?

Zunächst einmal: Das Leben kommt manchmal dazwischen. Bedeutet: Auch das noch so ausgeklügelte System kann Dir das Risiko nicht nehmen, dass eine Entscheidung sich als falsch herausstellen wird. Das mal vorab.

Die richtige Entscheidung zu treffen bedeutet sich in die Vogelperspektive versetzen zu können. Dafür musst Du frei von starken Emotionen sein. Man trifft nach Möglichkeit nie eine Entscheidung, wenn man gerade wütend, traurig, panisch oder depressiv ist. Manchmal hilft es, darüber zu schlafen, um einen klareren Kopf zu bekommen. 

Wenn Du in der Lage bist, ein Stück weit in die Vogelperspektive zu gehen, dann arbeite bitte für Dich folgende Punkte ab: 


1. Was ist die sachliche Ist-Situation?

Werde Dir an dieser Stelle bewusst, worum es überhaupt geht und verschaffe Dir einen Überblick. Schreibe es am besten sogar auf, dadurch wird es meist deutlicher. Bleibe alleinig auf der Sachebene und vermeide Interpretationen, Emotionen und Gründe. Beschreibe ausschließlich die jetzige Sachlage. Welche Situation, welches Problem liegt vor, dass ich jetzt eine Entscheidung treffen muss? 

2. Warum ist die Situation so, wie sie ist?

Schau Dir die Sachlage an. Bestimmt besteht sie aus mehreren Punkten. Versuche nun systematisch die Gründe für die jetzige Situation zu finden - auch hier sachlich. Bleib bei der Vogelperspektive und schau nicht nur aus Deiner Sicht, sondern auch aus der Sicht von Personen, die ggf. daran beteiligt sind. Hier verwende bitte viel Zeit und Gehirnschmalz drauf. Wenn Du die Möglichkeit hast, dann kannst Du auch hier mehr Informationen einholen, wie zum Beispiel Beteiligte zu befragen, warum die Situation so ist, wie sie ist. 

3. Was fehlt?

Wir richten unsere Aufmerksamkeit natürlich auf die Dinge, die präsent sind oder durch andere in den Vordergrund gerückt werden. Meist liegt die größte Wirkung aber tatsächlich in dem, was fehlt. Also frage Dich, da Du nun den gesamten Kontext ja hast: Was fehlt? Hierbei ist so ein wenig Dein Krimi-Ich gefragt und logischer Verstand. Stell Dir vor, Du wärest von der Situation nicht betroffen, sondern siehst das Ganze wie einen Film vor Dir. Dann wird Dir relativ schnell auffallen, wenn etwas fehlt. Notier Dir das dann bitte. 

4. Welche Ressourcen hast Du zur Verfügung?

Wer unterstützt Dich? Was hast Du bereits? Was kannst Du? Was sind hilfreiche unterstützende Dinge, die bereits vorhanden sind oder Dir zur Verfügung stehen werden? All das solltest Du sammeln und ebenfalls aufschreiben. Das wird Dir helfen nachher einzuschätzen, wie realistisch Deine Entscheidung ist. Ebenso die 5. Frage: 

5. Was steht im Weg?

Was musst Du bedenken? Welche Rahmenbedingungen existieren, die nicht veränderbar sind? Welche Hürden sind zu bewältigen? Was fehlt Dir an welchen Punkten? Welche Menschen oder Probleme stellen sich Dir in den Weg? All das musst Du auch auf dem Schirm haben, damit es nicht nur realistisch bleibt, sondern auch später zu keinen bösen Überraschungen kommt. 

6. Was ist Dein Ziel?

Mit der Entscheidung will ja was erreicht werden, also Du möchtest eine Konsequenz oder musst Dich einer stellen. Du solltest Dir also über Dein Ziel im Klaren sein. Was genau möchtest Du durch eine Entscheidung erreichen? Oder anders: Jede Entscheidung trägt eine Konsequenz in sich, die folgt. Welche Konsequenz möchtest Du haben? Mit welcher kannst Du gut leben? Mit welcher genau nicht? Was wäre das Ideal? Was würde die jeweilige Konsequenz für Dich bedeuten? 

Nun Butter bei die Fische

Du hast nun alle nötigen Informationen zusammen, die Du brauchst. Die Antworten aus den sechs Fragen ergeben zusammen nur eine sinnvolle Antwort. Es kann sein, dass die richtige Entscheidung nicht immer die schönste ist, aber nach dem Fragenmodell wird es auf jeden Fall für Dich die beste Entscheidung sein, die am meisten Entscheidungsfehler ausschliesst. 

Sie gibt Dir zudem noch die Möglichkeit, nicht voll und ganz auf Emotionen zu verzichten 🙂 

Hab nun viel Spaß bei Deiner nächsten größeren Entscheidung! Üb Dich ein paar mal an diesen Fragen, Du wirst sehen, sie werden Dir in kurzer Zeit in Fleisch und Blut übergehen, so dass es nicht immer so einen Aufwand braucht. 

xoxo Katharina

PS: Und falls Du noch ein paar Funfacts zum Thema "Entscheidungen" wissen willst, dann schau Dir mein Video dazu an!


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